No. 7936

2020-07-07 - 15:00
© 2006-2026 Gerd Peter Bischoff

DER  ALTE  SCHLACHTERMEISTER

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Er war ein Schlachter von allererstem Rang,

trug ein Schlachtermesser, schwer und ellenlang,

blutverschmiert mit metallisch hellem Klang

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Er war ein Mann mit Statut und großer Ehr

Man nuschelte und tuschelte: Das ist ja der und der!

Wie streng er blickte!  Wie knapp er nickte!

≡     ♦     ≡

Was aber alle wussten, dass sie sich in acht nehmen mussten:

Denn  er  hatte  zwar  die  wahre,  unschlagbare  Schlachterware,

doch fanden sich darin mal Fingerkuppe, Daumen oder Kräuselhaare

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Dass es des Schlachters eigene waren,

darüber waren sich die Tuschler nicht im Klaren

≡     ♦     ≡

Was ihnen

auch niemand verklickte,

dass, wenn er mal strenge blickte:

ihn phantomgeschmerzt der Daumen zwickte.

Das mit der Fingerkuppe – war inzwischen schnuppe,

ihm aber sein Kräuselhaar abknickte, wenn er zu viel nickte

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Aus meinem Gedichtband 1

> Mit Gedichten Humor belichten <

tredition  verlag  --    hamburg


No. 7917

2020-07-04 - 17:15
© 2006-2026 Gerd Peter Bischoff

Wir  Gratulieren:

~ • ~

Strammer Sohn geboren!

Und durch genetische Faktoren

ganz  nach  der  Mutter  Statur

~~ ~ ~~

Was wiegt er nur?  5  Kilogramm bei guter Figur!

Doch der Schwindel lag schon in der Windel:

Man sieht ihn nicht – man riecht ihn nur!

~ • ~

Nach etlichen Anfragen zum Sinn des obigen Gedichtchens:

Das Kind wiegt 4 Kilogramm und die "Füllung" 1 kg

Denn er hatte noch nie . . .


No. 7886

2020-06-30 - 13:29
© 2006-2026 Gerd Peter Bischoff

NACHRUF  AN  DIE  VERBANNTEN  KOMÖDIANTEN

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Den Anstrich der  Wahrheit  bestimmt der Intendant,

Was unangenehm, aber wahr ist, das wird nicht bekannt

Aber es liegt schon auf der Hand:

sagen darf‘s nur der Komödiant,

♦

frei und ungeschminkt . . .

♦

Denn wenn Humor das Faule umringt,

die Wahrheit nicht zum Himmel stinkt

♦

Doch sagen Komödianten etwas Geheimes,

geschieht ihnen bald etwas ganz Gemeines

Und zwitschert ein Spaßvogel geschminkt,

ist anzunehmen, dass die Wahrheit hinkt!

♦

Präsentieren Humoristen nur noch maskiert –

tja, dann wird die Wahrheit längst animiert,

massakriert und wortreich einbalsamiert


No. 7842

2020-06-17 - 12:56
© 2006-2026 Gerd Peter Bischoff

DER CHEF

♦

wanderte durch die Redaktionen,

und sah die enttäuschten Reaktionen

der Presse-Macher zu den Quartalszahlen

Die gestürzten Abverkäufe sorgten für Qualen

♦

Da ließen die Redakteure alle die Köpfe hängen

Niemand konnte die eigenen Sorgen verdrängen

◊

Der Chef aber hatte Grips, trat niemand auf den Schlips,

sondern gab den Köpfen einen aufmunternden Stipps:

Und siehe da - sie waren alle aus Gips!

◊

Der  Zeitungsleute  Sorgen aber waren unbegründet

Denn ihr Schicksal ist in eine sichere Zukunft gemündet

So ein Team sorgt für die Zuschauer und deren Erhalt

ideal in einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt

◊

Aus: Medien und Propaganda


No. 7822

2020-06-10 - 13:36
© 2006-2026 Gerd Peter Bischoff

Jeder Wiener ist eine Wurst

Jeder Frankfurter und Nürnberger auch

~~~

Ein Berliner ist eine Süßspeise, so ist es Brauch,

Hamburger ein belegtes Brot, es füllt dir den Bauch

~~~

Was ist ein Münchner? Herrscht da nur der Durst?

Einem Münchner  ‚Kind’l  is des euwi wurscht‘!

~~~

Denn egal, mit etwas Augenmaß –

passt zu allem oben eine Maß!

~~~

Darauf getrost - ein Prost - zum Trost!


No. 7809

2020-06-05 - 21:04
© 2006-2026 Gerd Peter Bischoff

DER   HAUSWERKER

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In großer Höhe über der Wiese hängt er an der Markise

Der Grund ist der  Deko-Wunsch  seiner Marliese

Doch plötzlich braucht sie die Leiter anderswo

in ihrem Penthaus im elften Stock – irgendwo

≡   ♦   ≡

Er hakt sich ein, den Bohrer in der Hand,

bis ihm die letzte Kraft entschwand

Die Liese hat ihn vergessen,

sie ist ja so einrichtungs-versessen!

♦

Den Sommer über dörrt und trocknet er vor sich hin,

da kommt Marliese wieder ihr Mann in den Sinn:

Der Dieter – der Dieter,

wo steckt der denn schon wieder?

≡

Da drängt die Alte laut – wo er denn nur bliebe –

und kurbelt die Markise hoch:

Da hängt die alte Lederhaut, die liebe,

eingerollt bis heute noch


No. 7777

2020-05-30 - 17:35
© 2006-2026 Gerd Peter Bischoff

DER  TROLL  IN  DER  LUFT

♦

Gerne, gerne – hängt er an der Laterne

Es ist  zwar  etwas  monoton,

aber was macht das schon,

so spart man eben Strom

♦

Gut, gut!  –  Nur Mut!

Was immer er auch tut:

Die Hände hat er frei,

Nur der Nacken wird etwas steif dabei

♦

Toll – toll, der freche Troll!

Das Maß war einfach voll

Niemals an der frischen Luft,

null Ahnung von Wiesengrün und Blumenduft

♦

Aber, aber – jahrelang Gelaber,

in Foren, Blogs alleiniger Rechthaber

Man fing ihn und hing ihn

an die Marktplatz-Laterne

Dort hängt er noch – von dort mailt er gerne

♦

Stur, stur!   –  Er hatte nur

einen Wunsch: Funkmaus und -tastatur

Will nicht mehr herab, welche Tortur!

Vom Pizzafresser zum Lichtnahrungsesser

und Regenwasser, armer Notdurft-Ablasser

♦

Blöde, blöde – bisweilen ist es öde!

Doch leicht verdorrt und spröde,

hängt er heut noch dort mit Notruf-Tröte

Mit dreihundert Alias-Namen wieder geboren,

hetzt und spukt er in allen Foren

♦

Jawohl, jawoll  –  er blieb sich troll,

erkenntlich an tausendfachem HDF und lol –

Nur das mit LOFL war gelogen,

doch wann hat ein Troll schon Facts verbogen?

♦

Hört, hört  –  das verstört:

Die Dienste haben mitgehört!

Das hat Ärger heraufbeschwört

Weil er einfach zu viel wusste

kam es wie es kommen musste:

♦

Schau, schau  –  das war gar nicht schlau

Hat einfach nicht mehr aufgehört. Unerhört!

Hat gemailt, sich sehr empört,

hat Staats-Geheimes arg gestört

Wurde tagelang verhört

♦

Siehste, siehste  –  ach wie triste:

er kam gar nicht mehr ins Lot!

Denn am Ende seiner Mailingliste

stand der eigene Tod