No. 10.468

DIE BLIND-SCHLEICHE

Auf einer steilen Klippe

stand eine Eiche auf der Kippe,

unter ihr nur der Ozean – jählings

Und hinter dieser Eiche

verschlich sich eine Schleiche

versehentlich nach links

Sie fiel auf etwas Weiches,

hoffte, es wäre jemand Gleiches.

War der Rachen eines Haies – allerdings!

In solch gefährlichem Bereiche

erkannte die Blindschleiche:

Die dumme Idee nach links

war nicht die erfolgreiche,

sicher aber folgenreiche

Und schlich sich dann nach rechts

Damit hatte der Hai

im Eifer des Gefechts

nicht gerechnet; einerlei:

Er verschluckte sich anbei

und spukte sie an Land dabei

auf den Sandstrand bei Shanghai

Wonach die Schleiche erstmals frei,

wie auch tadellos und einwandfrei

geradeaus geschlichen sei !

(Ein Gerücht, denn niemand war dabei)

Na ja, egal – es war schon eine Qual

Die Schleiche hatte keine andere Wahl

und mutierte dann zum Aal

Eingereist als Schleiche

und also angepasst als Aal:

Das lag behördlich im Bereiche

der dauerhaften Duldung, allemal

Mutation: Die ist schon – total legal

Und die Lehre aus dieser Affäre,

auch nach Ansicht vieler Visionäre,

beweise, Glück gehöre ins Imaginäre

Und dass man sich auch mal irren kann

Daher der Ausdruck: Schleich‘ dich dann!

Aber schau halt dann und wann

dein Vorhaben besser vorher an

Und bist auf Weitsicht du erpicht,

mutier dir scharfe Augen ins Gesicht

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Aus der Gedichte – Werkstatt