No. 7303

DIE  SILVESTERRAKETE

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Mein Silvesterböller macht was her,

montiert auf eine Drei-Stufen-Rakete

und mindestens vier Kilogramm schwer

Die dicke Abschussstange mit der Machete

selbst geschnitzelt mit einem Griffschutz quer

Im Geschoss Chemikalien der größten Varianz,

gleich ist Mitternacht, auf geht es zum Böllertanz

Hinauf zum Kalvarienberg zur höchsten Instanz

Und weg von Zuhause in die sichere Distanz

Ganze Heerscharen sind dort schon versammelt

Die einen sind durch die Kälte leicht vergammelt

Andere haben wegen Alkohol nur noch gestammelt

Die Raketen werden zum Abschuss eingesammelt

Die schweren Kaliber bekommen alle Namen,

wie Donnerschlag, Weck-auf oder Purlepaus

Doch alsbald beginnen all die Dramen:

Die erste Rakete trifft das Gemeindehaus

Geladene Gäste nahmen entgeistert Reiß-aus!

Die Menge johlt und tobt lautstark herum

Zur Erwärmung gibt es heißen Tee mit ordentlich viel Rum

Das ohrenbetäubende Knallen macht alle taub und stumm,

Alkohol und Schwefeldampf dazu noch krumm und dumm

Dann ist mein Superböller an der Reihe,

dessen Flugbahn mit genauer Zahlenreihe

ich aller-gründlichst nach früherer Baureihe

exakt berechnet habe, und das riesige Kaliber

überprüft mit meinem . . . Rechenschieber . . .

Und ja – ich habe Lampenfieber

Da kommt so eine Alkoholisierte

und dreht an der Abschussstange

Und was dann daraufhin passierte

macht dem Fachmann Angst und Bange:

„Lass mich auf das Rathaus schließen!“

„Ist doch alles Humbug was die da beschließen!

Und ist das nagelneue Rathaus fix getroffen,

gut so – hab ohnehin noch eine Rechnung offen!“

Sie lallt noch etwas vom ewigen Bürokratismus,

streift mit ihrer Fackel dabei den Zündmechanismus

Ich stürze herbei – ich springe hinzu,

es war zu spät – es zischt im Nu

Majestätisch hebt sie ab, die Rakete

Die Menge feiert den Höhepunkt der Fete

Und wie berechnet trägt sie ihre Chemiepakete,

begleitet von meinem intensiven Nachtgebete

Doch dann brizzelt etwas in hellem Grün!

Es war an der zweiten Stufe, wie es schien

Auch ist durch der Trunkenen Gefummel

der Abschusswinkel falsch. Ein Flügelstummel

wohl verbogen. Brummend wie eine Hummel

fliegt das Geschoss zum Rathaus hin

Da kommt mir jäh mein Zuhause in den Sinn

Auf halbem Wege geradeaus: mein Wohnhaus!

Genau darüber klinkt sich etwas aus:

In purpurrot fängt es zu leuchten – aah

Stufe zwei – gezündet – aaaah!

Rote Zaubersterne wunderbar

Die Farbe ist sehr intensiv,

doch die Rakete fliegt zu tief,

mein Zuhause ist nicht ausgewichen,

und ist seither grell rot gestrichen

Nochmals vier Sekunden sind verstrichen

als mit einem Heidenknall: Feuerball,

Aufprall – Notfall – Tobsuchtsanfall

Schlaganfall – Ernstfall – Haarausfall

Und ein Schwall in allen Regenbogenfarben

verpufft am Rathaus mit explosiven Garben

Der Vorfall bedrückte mich

Der Stadtrat erdrückte mich

Die Trunkene entzückte sich

Die Kreisbehörde rügte mich

Die Versicherung drückte sich

Dem Zahlungsbefehl füge ich mich

Ich hoffe, die Leserschaft beglücke sich!

Seit dieser Nacht sah die Stadtverwaltung rot!

Ich unterliege zur Vermeidung von Gefahr und Not

nunmehr einem allgemeinen Böller- und Raketenverbot