No. 5666

In einer Gesellschaft,

in der die Menschen ständig lügen . . .

….  widerspricht das Offenkundige dem Offensichtlichen.

….  hört die Meinungsfreiheit dort auf,

wo die ‚Pressefreiheit‘ beginnt.

….  erscheint der Konsens der Eliten

als Demokratie der Bürger.

….  wird die tägliche Kommunikation

zur reinen Geschwätzigkeit.

– alle reden – kaum jemand hört richtig zu.

(Jene, die zuhören, werden dafür bezahlt)

….  sind Informationen wertlos, aber Geheimnisse allumfassend.

….  ist nicht Geld das höchste Gut, sondern die Aufmerksamkeit.

….  hat die jeweilige Macht das Presse- und Meinungsmonopol.

….  lebt jeder Mensch in seiner eigenen vertraulichen,

Wahrheit  und  Wirklichkeit,

….  gibt dies aber nicht zu, auch nicht vor sich selbst.

….  verwechseln die Bürger Ehrlichkeit mit Langeweile.

….  ist das Dasein ein Existieren in Angst vor Enthüllung.

….  wird der technische „Neue Mensch“ erzogen:

zum permanenten Lügen für die genehme

und genehmigte Wahrheit.

….  reflektieren die Bürger das,

was ihre Regierung täglich praktiziert.

….  lebt niemand im Jetzt- nur in der herrlichen

Vergangenheit oder im erwünschten Künftigen.

 

….  verändert sich der Mensch vom lockeren Zuhörer

zum schweigenden Beobachter.

 

….  sagt es keiner, gibt es niemand zu,

aber alle tun es.  Heimlich.

 

….  ist das Dasein ein zunehmend abgeschirmtes Leben

in Dunkelheit, Verleugnung, Überwachung und Angst.

 

….  bleibt damit alles beim Alten: Jeder ahnt die Wahrheit

und erwartet genau das Gegenteil dessen,

was er zu hören bekommt.

 

….  erlischt das Gespräch, nur noch Oberflächliches wird

wahrgenommen, nur Augenscheinliches, vornehmlich

auf Bildschirmen, hat seine kurze Relevanz.

 

….  steigt der Kommunikationsaufwand, es gibt

stetig mehr zu klären, erklären und verklären!

 

….  tauchen Werte, Tugenden und Gefühle

allmählich in das Virtuelle ab.

 

….  hat die Freiheit ein Ende, der Zwang seinen Anfang,

– ist die Kontrolle ein Muss –

und die Überwachung staats’tragend‘.

 

….  ist der Ehrliche ein König:

Er muss sich nicht verstellen, nichts merken,

wird dadurch nie bei etwas ertappt und gilt

als das Genie unter den Lügnern.

(Weil alle glauben, dass er nur noch nie erwischt wurde)

 

….  erzählt man schon Kindern Märchen vom

Weihnachtsmann, anstatt Ihnen zu sagen,

dass man sie liebt und deswegen beschenkt.

 

….  ist die beste Finte die Aufrichtigkeit,

obwohl man irgendwann auch dabei erwischt wird!

 

….  hat die These mehr Gewicht als die Tatsache;

Theorien verknüpfen – aber deuten Fakten um.

 

….  wird die Praxis als „Theorie“ belächelt

– aber die gängige Praxis bleibt getarnt

als Konvention, umstellt von Paradigmen

und durchdrungen von Konditionierungen.

 

….  hat das Dogma Bestand, die Lehre Gewissheit, aber

die Perspektiven und Standpunkte sind unverrückbar.

 

….  In einer Gesellschaft, in der alle Menschen

ständig lügen – ist die strenge Geheimhaltung

oberste Priorität: Die einen wissen, dass alle lügen,

aber nicht genau wie und warum. Die anderen sparen

  sich die Zweifel, Zeit und den Rechercheaufwand.

Der kleine Rest sind lediglich „die Spinner“.

 

….  Und ganz zum Ende wird nichts mehr bezahlt,

sondern nur noch argwöhnisch getauscht.